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Artikel und Beiträge von Andreas & Daniel Stötter

Anandamid – Der Glückseligkeits-Stoff in deinen Zellen

von | 4 Dez, 2017 | Wissenschaft

Körpereigenes Marihuana gegen Depressionen? Wusstest du, dass dein Körper ein Drogenproduzent ist?

Körpereigene Drogen, auch Botenstoffe oder Neurotransmitter genannt, sind maßgeblich daran beteiligt wie du dich fühlst. Sie entscheiden unter anderem darüber, ob du dich gestresst, ängstlich, depressiv oder entspannt und glücklich fühlst.

In den Siebziger Jahren entdeckte man erstmals die Morphinrezeptoren im Gehirn des Menschen, an denen z.B. die Drogen Morphium und Opium andocken und die Rauschwirkung erzeugen.

„Hat die Natur diese Andockstellen ausschließlich für den Drogenkonsum angelegt?“, fragten sich die Wissenschaftler. Wohl kaum. Es müssen also im Körper selbst Stoffe zu finden sein, die ähnlich gebaut sind wie Morphine. Und tatsächlich fand man kurz darauf die körpereigenen Morphine. Man nannte sie Endorphine. Sie docken, wie Schlüssel zum Schloss, an den gefundenen Rezeptoren an, und entfalten eine ähnliche Wirkung wie das von außen zugeführte Morphium. Diese Glückshormone sind für Entspannung, Schmerzdämmung und, laut damaliger Theorie, auch für High-Gefühle zuständig. Das bekannte Ranner’s High wurde den Endorphinen zugesprochen.

Ende der Achtziger Jahre machten israelische Wissenschaftler eine weitere und ähnliche Entdeckung. Sie fanden den Rezeptor für Cannabis im menschlichen Körper. Und wie in den Siebzigern, auf der Suche nach den Endorphinen, wurde nach dem „körpereigenen Marihuana“ gesucht. Kurz darauf fand man zwei entsprechende Stoffe, die zum Rezeptor passten: 2-​Arachidonyl-​Glycerin (2-​AG) und Anandamid. Das Endocannabinoide System (ECS) war entdeckt. Der Begriff „Ananda“ kommt aus dem Sanskrit und bedeutet „Glückseligkeit“. Speziell das Anandamid-Molekül hat es in sich. Es produziert ähnliche Zustände wie das Rauchen von Cannabis. Es regt den Appetit an, senkt den Blutdruck, entspannt, reduziert Schmerz und macht glücklich.

Ob bei der Speicherung traumatisierender Erinnerungen, dem Energiestoffwechsel oder bei der Entwicklung des Nervensystems im Embryo, immer sind die Cannabis-​Rezeptoren beteiligt. Auch bei Stress, Ängsten, Reizüberflutung und anderen Überlastungen scheinen sie dem Körper zu helfen, eine Balance zu finden und Reaktionen zu dämpfen.

Dieses Glücksmolekül wurde auch in Schokolade gefunden und wird durch Bewegung vermehrt produziert. Die alte Theorie des Ranner’s High wird nun mehr und mehr in Frage gestellt. Demnach soll dieser Glückszustand der Läufer mehr mit Anandamid in Zusammenhang stehen, als mit den Endorphinen, die mehr für die Schmerzdämmung zuständig sind.

Laut der Forschung  zum Endocannabinoid System, die am Max Plank Institut für Psychiatrie in München durchgeführt wurde, und in der renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift „Natur“ veröffentlicht wurde, lässt Anandamid ein erfahrenes Trauma besser vergessen bzw. verarbeiten. Auch Ängste und schmerzliche Erfahrungen werden schneller losgelassen. Es gibt Hinweise dafür, dass das Anandamid daran beteiligt ist, Frauen nach der Geburt den Geburtsschmerz schnell vergessen zu lassen. Durch die Überschwemmung dieses Glückshormons kann sich die Mutter sofort dem Neugeborenen zuwenden.

Die diesbezügliche Forschung zeigt zudem, dass das Fehlen dieses Stoffes zur Entwicklung einer Depression beiträgt, genauso wie der Mangel an Serotonin und Dopamin. Dabei soll das Anandamid an erster Stelle stehen.

Es ist hinreichend akzeptiert, dass eine Depression auch mit einem unverarbeiteten Trauma in der Kindheit im Zusammenhang steht. Somit sind diese neuen Erkenntnisse zu Anandamid vielversprechend in der Therapie und Bewältigung von Depression.

Wie kann nun dieses Glückseligkeitsmolekül vermehrt produziert werden?

 

Anandamid und Meditation

Die Meditationsforschung zeigt eindeutig, dass meditierende und Achtsamkeit praktizierende Menschen glücklicher sind und weniger zu Depression neigen. Die bahnrechenden Studien von Davidson, die mit tibetischen Mönchen mit jahrzehntelanger Meditationserfahrung durchgeführt wurden, belegen dies.

Bekannt ist zudem, dass glückliche Menschen mehr Serotonin-Rezeptoren im Gehirn haben als depressive Menschen. Serotonin ist ein weiteres Glückshormon.

Meditation fördert das Zellwachstum im Gehirn, besonders in den Bereichen, in denen sich viele Serotonin-Rezeptoren befinden.

Könnte es sein, dass dieser positive Effekt der Meditation auch mit Anandamid zu tun hat? Dies ist noch nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt, aber die Erfahrungen und Beobachtungen von meditierenden Menschen deuten darauf hin. Die Erfahrungen in unseren Meditations- und Stille-Retreats bestätigen diese Beobachtungen.

 

Anandamid und Berührung

Während man zu Beginn dieser Forschung das Endocannabinoide System (ECS) nur im Gehirn vermutete, fand man in darauffolgenden Jahren die entsprechenden Rezeptoren (CB1) auch in anderen Körperbereichen.

In einer aktuellen Studie fand man das ECS auch in der Haut. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Haut Anandamid produziert. Die Forscher berichten davon, dass die Haut ein komplettes Neuro-Endokrine-Immun-Organ darstellt. Das beutet, dass die Haut ein eigenes Nervensystem, Hormonsystem und  Immunsystem besitzt.

Ähnliche Forschung zum Bindungshormon Oxytocin zeigt, dass dieses sogenannte „Kuschelhormon“ ebenfalls in der Haut produziert wird und eine enorme Wirkung auf das Nerven-, Hormon-und Immunsystem hat. Sanfte achtsame Berührung steigert die Produktion von Oxytocin.

Könnte es nun sein, dass auch Anandamid durch achtsame Berührung und Massage vermehrt ausgeschüttet wird? Nachgewiesen ist dies noch nicht. Wenn dem aber so wäre, wäre dies eine weiter Bestärkung der von uns entwickelten Achtsamkeitsmassage®. Dass unsere Körperarbeit, die eine Verbindung von Achtsamkeit und Berührung darstellt, gegen Depressionen wirkt, ist bereits durch zwei Studien nachgewiesen. Die Anandamid-Hypothese würde die Wirkprinzipien unserer Arbeit zusätzlich erklären.

Jedenfalls hat es dieser Stoff in sich, uns glücklicher zu machen.

Ob nun durch Glück vermehrt Anandamid produziert wird, oder ob Anandamid zu mehr Glück führt, ist nicht eindeutig zu beatworten. Nachgewiesen ist, dass die Aktivität der Rezeptoren davon abhängt, wie oft sie gebraucht werden. Ganz nach dem Prinzip „use it, or lose it“. Im Klartext: Je mehr Ananadamide ausgeschüttet werden, umso mehr vermehren sich die Rezeptoren. Diese Andockstellen, die wiederum süchtig nach mehr Stoff sind, signalisieren dies den Produktionszellen. Ein positiver Regelkreis, den wir auch in anderen Mechanismen unseres Körpers finden.

Leider gilt dieser Mechanismus auch im Negativen, wie z.B. bei den Stresshormonen wie Kortisol. Bei chronischem Stress wird vermehrt Kortisol ausgeschüttet und dadurch vermehren sich die Kortisol-Rezeptoren und produzieren noch mehr Stress. Genauso haben Krebszellen mehr Insulinrezeptoren an Ihrer Zellmembran, weil Krebszellen nach Zucker gieren. Insulin transportiert den Zucker in die Zellen. Je mehr Nachfrage desto mehr Angebot.

Anandamid hat das Zeug dazu, diesen Stressmechanismen entgegenzuwirken.

Meditation, Achtsamkeit, Massage, Bewegung, Liebesbeziehungen, kurz, alles was Freude bereitet und glücklich macht, kann Anandamid-Explosionen bewirken und uns in Zustände bringen, die der ursprünglichen Bedeutung von „Ananda“ gerecht werden, und laut den alten asiatischen Weisheitslehren unsere wahre Natur ist: Glückseligkeit.

Dr. Andreas Stötter MSc.

P.S. Im Stille-Retreat vor Weihnachten sind Anandamid-Feuerwerke in deinem Hirn möglich.

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Andreas Stötter

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